Lustig sein kann man lernen – behaupten Humorpädagogen. In einem Seminar sollen auch die größten Spaßbremsen zu Witzfiguren werden. InDOpendent-Mitarbeiterin Eva Zimmermann machte den Test.Und hatte Spaß.
Eigentlich habe ich keine besonders gute Laune an diesem Sonntagmorgen. Zu dumm: Ich bin zum Humorseminar im „Fletch Bizzel“ angemeldet und der sonnenüberflutete Himmel. Die kurzbehosten und miniberockten Menschen auf der Straße sagen mir, dass ich die nächsten sechs Stunden nicht in einem geschlossenen Raum verbringen möchte. Und überhaupt: bei dem Wort ‚Humorseminar‘ muss ich an Menschenmassen in Parks denken, die in einem großen Kreis stehen und sich ununterbrochen kaputt lachen. Irgendwie albern.
Aber die Entscheidung, wie ich meinen Sonntag verbringen werde, ist ohnehin schon getroffen. Also entscheide ich mich, meinen kritischen Blick in einen lächelnden zu verwandeln und den anderen Teilnehmern durch meine Skepsis nicht die Laune zu verderben. Um ganz ehrlich zu sein: Irgendwie interessiert es mich ja schon, wer zu so einem Seminar hingeht: Verstockte Einsiedler oder verkannte Alleinunterhalter? Was versprechen sie sich davon? Einen lustigen Nachmittag oder eine heitere Erleuchtung?
Kurze Zeit später sitze ich auch schon im Kreis der acht humorhungrigen Teilnehmer und warte auf Antworten. Bei einem Blick in die Runde begegne ich den verschiedensten Gesichtsausdrücken: vom Zähne zeigenden Strahlen, über ein phlegmatisches Lächeln bis hin zu ratlos hinuntergezogenen Mundwinkeln – na, das kann ja heiter werden. Angenehm freundlich blickt mir nur die Leiterin des Seminars, Uta Wedemeyer, entgegen. Da stellt sich die Frage: Ist sie mir sympathisch, weil sie als Humorcoach und Clowntherapeutin weiß, wie es geht? Oder leitet sie Seminare und hält Vorträge, weil sie schon immer ein humorvoller Mensch war?
Klar ist: Wedemeier ist Profi, Humorprofi. Schnell macht sie uns deutlich: Mit der verbissenen Tour kommt man eigentlich nie weiter – Krampflacher wecken keine Lachkrämpfe. Warum? Weil der Gegenüber intuitiv erkennt, wie aufgesetzt der Witz ist.
Zur völligen Spaßbremse wird aber, wer nicht über sich selbst lachen kann. Jeder habe schließlich so seine kleinen und großen Macken, sagt Wedemeier – und lässt uns die auch schnell erkennen: Jeder Kursteilnehmer soll ein Portrait seines Nachbarn zeichnen, ohne auf das Blatt des Gegenübers zu schauen. Große Nasen, schief stehende Augen, ein Michael-Schumacher-Kinn: So sehe ich aus? Dass ich nicht lache! Aber es gilt die Devise unserer Clownstherapeutin: Solche Macken darf man nicht so furchtbar tragisch nehmen – und am besten auch nicht immer gleich darauf aufmerksam machen.
Tatsächlich ärgert sich in der Gruppe keiner darüber, dass die Portraits dem unbeholfenen Gekrakel eines Dreijährigen ähneln. Sogar die Dame mit den hängenden Mundwinkeln, die anfangs verzweifelt über ihre fehlenden Zeichenkünste stöhnt, lächelt ein bisschen verschmitzt und amüsiert sich mit ihrer Nachbarin über ihr Gemälde.
Sowieso komme es selten darauf an, was man macht oder sagt, erzählt Uta Wedemeyer weiter. Das „Wie“ sei viel wichtiger. Denn im Gespräch nimmt man überhaupt nur sieben Prozent von dem Gesagten auf, der eigentliche Inhalt wird durch die Körpersprache und den Tonfall transportiert. Ein aufgesetztes Grinsen sagt meinem Gegenüber nichts. Wenn ich aber von Herzen lache, sieht man das in den Augen und jeder erkennt, dass ich mich freue – auch wenn ich darüber kein Wort verloren habe.
Graue Theorie? Wir machen den Test. Dazu ziehen alle ein Zettelchen, auf dem eine Stimmung notiert ist. Mit dieser Stimmung sollen wir die anderen Teilnehmer begrüßen, natürlich ohne sich in der eigenen Laune beeinflussen zu lassen.
Ich bin – laut Zettel – ängstlich. Mein Gegenüber, die grinsende Dame, die immer mal wieder laut auflacht, soll mir „neugierig“ begegnen. Das weiß ich natürlich erst hinterher, aber tatsächlich fällt es mir doch recht schwer „verängstigt“ an ihr vorbeizuhuschen, wenn sie mir auffordernd freundlich ins Gesicht blickt und wortlos lächelnd die Hand entgegenstreckt.
Während der Übungen merke ich langsam: Es geht gar nicht darum, auf Knopfdruck urkomisch zu sein. Als wir unsere Stimmung nach einiger Zeit noch einmal mit einer Geste vorstellen sollen, erkenne ich: Humor entwickelt sich aus Kreativität. Und: Witz ist lernbar. Einige der Teilnehmer überraschen nach einiger Zeit sogar mit frechen Kontern. Meine persönliche Überraschung des Tages: Die Phlegmatikerin hat am meisten Humor bewiesen. Lässig zaubert sie die überraschendsten Gesichtsausdrücke und schlagfertigsten Antworten quasi aus dem Nichts. Ich finde, ein bisschen gelassener bin ich gegen Ende auch geworden, denn immerhin habe ich fast – aber auch nur fast – den strahlend blauen Himmel vergessen.
Ein Artikel von Eva Zimmermann.