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Mondweisheiten

Seit Tausenden von Jahren schaut der Mensch fasziniert zum Mond auf. Für die Romantiker unter uns ist er die verkörperte Sehnsucht schlechthin. Aber wie wirkt der Mond wirklich auf die Menschen? InDOpendent ging auf die Suche nach Fakten hinter den Legenden und Mythen um den Erdtrabanten.

Viele Menschen glauben an die magische Wirkung des Mondes auf das eigene Leben. Besonders bei Vollmond, wenn das lunare Licht am stärksten ist, wird die Welt um uns durch unbekannte Kräfte aus dem Gleichgewicht gebracht. Morde, Selbstmorde, Verkehrsunfälle, Notrufe bei der Polizei und der Feuerwehr – all diese Ereignisse sollen bei Vollmond öfter eintreten als an restlichen Tagen des Monats. Ist an diesen Aussagen etwas Wahres dran? Der Dortmunder Astrologe und diplomierte Eheberater und Psychotherapeut Thorsten Boelter ist überzeugt, dass der Mond bei Menschen einen Zustand innerer Unruhe hervorruft: „Besonders sensible, empfindliche Menschen reagieren verstärkt auf den Mond“.
Ist der Mond anziehend? Die Befürworter der Theorie, dass der Erdtrabant unseren Alltag bestimmt, argumentieren oft mit dem Phänomen von Ebbe und Flut. „Die Wassermassen der Erde werden von Mond und Sonne angezogen“, erklärt Rolf Chini, Astrophysik-Professor an der Ruhr-Universität Bochum. „Dadurch entstehen zwei Wasserberge, die einmal pro Tag um die Erde laufen, das heißt zwei Mal Ebbe und zwei Mal Flut.“ Am stärksten ist die Gravitationskraft, wenn Mond und Sonne auf einer Seite der Erde sind und sich ihre Kräfte addieren. Da der menschliche Körper zu etwa 70 Prozent aus Wasser besteht, liegt die Vermutung nahe, dass auch der Mensch von diesen Himmelskörpern angezogen wird. Wer 65 Kilogramm wiegt, wird durch die Gravitationskräfte von Mond und Sonne allerdings um gerade ein Fünftel Milligramm „erleichtert“. Von einem starken Einfluss kann hier kaum die Rede sein.
Laut Statistik der österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafstörung beklagen sich etwa 40 Prozent der Deutschen über Schlaflosigkeit. Dabei sehen viele den Grund dafür im störenden, beunruhigenden Mondschein. Dieses Phänomen ist sowohl in ländlichen Gebieten als auch in der Stadt zu beobachten. Auch wenn der Vollmond in der Stadt manchmal durch Hochhäuser verdeckt wird, erlebt ein Mensch trotzdem eine unruhige Nacht.
Zufall? Allzu grell ist das Mondlicht zumindest nicht. Beim höchsten Stand erreicht der Mondschein bei einem klaren Himmel etwa 0,2 bis 0,3 Lux (ein Lux entspricht der Leuchtstärke einer Kerze auf der Entfernung von einem Meter). Heute sind Laternen oder Leuchtreklamen um ein Vielfaches heller.
Für den Astrologen Thorsten Boelter hängt die Schlaflosigkeit bei Vollmond mit dem menschlichen Bio-Rhythmus unmittelbar zusammen. Dieser Rhythmus sei von den Mondphasen abhängig, allerdings spiele hier die Empfindlichkeit jedes Einzelnen eine große Rolle: „Der Vollmond spricht sensible und gefühlsbetonte Menschen stärker an“.
Der Mondzyklus – eine Umkreisung der Erde – ist ein Prozess, der in vier Phasen unterteilbar ist, je nachdem wie viel von dem Erdtrabanten von der Erde aus zu sehen ist. Bei einer umfangreichen Studie an der Universitätsklinik für Neurologie in Wien konnte kein Zusammenhang von Schlaflosigkeit mit bestimmten Mondphasen festgestellt werden. Die Psychologen sprechen dabei eher von einer Schlaflosigkeit aus Gewohnheit.
Viele Menschen, die bei Vollmond kein Auge zukriegen, glauben an den Mondlicht-Effekt. Sie starren die Decke schon dann an, wenn sie wissen, dass in dieser Nacht Vollmond ist, obwohl sie ihn beispielsweise wegen Wolken gar nicht zu sehen zu bekommen. Fakt ist, dass jeder Mensch sich an manchen Tagen ohne besonderen Grund schwächer als sonst fühlt. Die üblichen Erklärungen sind falsche Ernährung, mangelnder Schlaf oder einfach schlechtes Wetter. Dabei spricht man von Tagesform.
Ivan Kelly, James Rotton und Roger Culver, drei Forscher aus den USA und Canada, haben mehr als 100 Studien zu diesen und anderen Phänomenen auf die Korrelationen mit dem Vollmond untersucht. Tatsächlich ist bei keiner ein positiver Zusammenhang ermittelt worden.
Ist die magische Wirkung des Mondes nur Einbildung? Professor Chini glaubt nicht daran, dass die Mondphasen einen Einfluss auf die Leistung eines Menschen haben, Astrologe Boelter tut es aus Überzeugung: „Es ist wichtig, die Mondphasen zu beachten, wenn Klausur- oder Vertragsabschlüsse festgelegt werden. Zu berücksichtigen sind dabei allerdings nicht nur die Mondphasen, sondern auch die Transite.“ Diese stellen einen Zusammenhang des persönlichen Horoskops und der Gestirnkonstellation her.
Die Wissenschaftler sind sich einig, dass keine gesicherten Beweise für den Einfluss des Mondes auf unser Leben existieren. Immanuel Kant sagte einmal: „Denn es ist in allen Zeiten so gewesen und wird auch wohl künftig so bleiben, dass gewisse widersinnige Dinge selbst bei Vernünftigen Eingang finden, bloß darum, weil allgemein davon gesprochen wird.“ 


Der Mond

Der Mond, (lat. Luna), ist der einzige natürliche Trabant der Erde und ist 384 000 Kilometer von ihr entfernt. Er hat etwa ein Viertel der Erdgröße und braucht für eine Umrundung 27 Tage, sieben Stunden und 43 Minuten. Seine Bahn ist ellipsenförmig. Der Mond ist etwa 4,5 Milliarden Jahre alt. Das Mondlicht ist eine siebenprozentige Reflexion des Sonnenlichtes. Da der Mond keine Atmosphäre hat, ist er gegen Meteoriten schutzlos. Von ihren Einschlägen zeugen die zahlreichen Krater auf der Oberfläche, mit Durchmessern von bis zu 200 Kilometern. Auf dem Mond gibt es kein Wasser, seine Oberfläche ist steinig und mit grauem Staub überzogen.

Ein Artikel von Artjom Maksimenko.

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